Mittwoch, 1. Dezember 2010

Natalia

Als ich Natalia das erste Mal sah, dachte ich: „Diese Frau wird wohl nicht mehr lange leben. Ob wir wohl noch etwas für sie tun können?“

Als wir in ihr Haus eintraten, trafen wir sie kärglich sitzend auf ihrem Bett an. Sie ist knochendünn, hat abrasierte Haare und wirkte irgendwie ängstlich. Ihre Mutter und noch eine Frau waren auch im Raum.

Natalia ist 38 Jahre alt und leidet seit 5 Jahren an Brustkrebs. Sie hat eine Tochter.

Sie erzählte uns, dass sie seit 4 Monaten nicht mehr gehen kann, nur liegen und sitzen würde und schon wunde Stellen am Rücken habe.

Wir halfen ihr sich hinzulegen und ich wollte sehen wie ihre Rumpfbeweglichkeit ist. Sie liess es aber nicht zu und sagte, sie habe Angst, sie verkrampfte sich. Dann setzte ich mich neben sie und versuchte ihr zu erklären, was ich machen möchte, wozu das gut wäre und versuchte sie zu beruhigen. Sie verstand und wir konnten fortfahren. Ich stellte fest, dass ihre Mobilität in Rumpf, Hüfte, Knie und Füsse ganz gut war.

So setzten wir uns auf und schauten, wie es mit ihrer Kraft in ihren dünnen Beinen steht. Auch die war noch ein wenig da, zumindest konnte sie ihre Beine anheben und ihre Knie strecken.

Dann meinte Marcel: "Lass uns mit ihr aufstehen", und wir hielten sie, jeder an einer Seite, und standen gemeinsam mit ihr auf. Sie konnte stehen und war glücklich über das Gefühl etwas Festes unter den Füssen zu haben.

Wir animierten sie am Platz zu gehen, und auch das war möglich. Dann sagten wir zu ihr: „Du kannst gehen, lass es uns versuchen!“ So stützten wir sie zu zweit und sie konnte wirklich gehen! Schritt für Schritt hob sie ihre Beine an und ging! Nach den ersten drei Schritten realisierte sie, was gerade passierte und schrie laut: „Halleluja, ich kann gehen! Mama, schau, ich kann gehen! Gracias a Dios!“

Sie war überglücklich und ihre Mutter auch, die weinte vor Freude.

Wir waren so berührt von all dem und freuten uns natürlich mit. Wir gingen mit ihr hinaus, die Sonne schien und wir spürten deren Wärme im Gesicht.

Natalia war so froh. Sie brauchte zwar unsere Unterstützung, aber sie ging selber, nach langen vier Monaten.

Für sie waren wir Engel, geschickt von Gott, an den sie glaubt und dem sie dankt.

Ich danke Gott auch für diese schöne Erfahrung und freue mich sie nächste Woche wiederzusehen und zu schauen wie es ihr geht.

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